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besucht und kommentiert,

hier äußere ich mich über Konzerte und andere Veranstaltungen, die ich besucht habe und die mich besonders angesprochen haben.

Dies sind Konzerte oder Präsentationen, die mir sehr gut gefallen haben - oder über die ich mich geärgert habe, entweder weil sie schlecht waren oder weil sie nicht das gebracht haben, was angekündigt war (in der Schule hieß das: “Thema verfehlt”).

Letzteres passiert mir immer seltener,da ich seit Jahren eine Positiv- und eine Negatv- Liste führe. Es ist sicher nicht immer gerecht, wenn ich manchmal nach dem Besuch nur einer Veranstaltung sage: “Nie wieder!” - aber es erspart weitere Enttäuschungen, weiteren Ärger und auch Geld, das so für neue Erfahrungen da ist, die natürlich auch gut oder schlecht sein können. In diesem Zusammenhang bin ich der Meinung: Fehler muss man nicht wiederholen, es gibt genug Möglichkeiten, neue zu begehen.

In den folgenden Ausführungen werde ich meist von meiner Positiv-Liste ausgehen, aber selten von meiner Negativ-Liste. Es muss mich schon etwas sehr stark verärgert haben, um einem Veranstalter, Komponisten oder Musiker zu sagen, dass er für mein empfinden miserabel war.

Das letzte mal habe ich mich betrogen gefühlt beim Scelsi-Abend im Musik-Club des Konzerthauses. Der von Manfred Reichert gestaltete Abend enthielt für meinen Geschmack zu wenig Scelsi.

Seit Oktober 2003 waren alle Konzerte in der Unerhörten Musik (BKA-Theater Mehringdamm 34) sehr gut.
Besonders in Erinnerung geblieben sind mir Margit Kern (Akkordeon), Matt Rubenstein (Klavier), Irina Emeliantseva (Klavier), Claudia Buder (Akkordeon) und Matias de Oliveira Pinto (Cello) als Duo, das Duo DaLi (Flöte und Harfe), The Bugallo-Williams Piano Duo (schwer einzuordnen, aber Spitze), Friedrich Gauwerky (Cello) und das Trio Nexus (Carin Levine, Flöte - Claudia Sgarbi, Schlagzeug - Thomas Bächli, Klavier), das auch in der Nachfolgebesetzung mit Erik Drescher, Flöte, hervorragend blieb.

 

 

30. Januar 09  Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin

YACOB (Young Asian Chamber Orchestra Berlin) Gründungskonzert

Mayako Kubo »Concertino della porta di« Brandeburgo (2009, UA) 
Joseph Haydn »Violinkonzert Nr.1« in c dur 
Serge Koussevitzky »Kontrabasskonzert« in Streicher Fassung
Igor Stravinsky »Pulcinella-suite«

 

 

22. März 08 Theater Brandenburg

Rainer Rubbert (komposition) Tanja Langer (Libretto)
Kleist

 

 

 

02. Juli 06 Schwartzsche Villa / Berlin-Steglitz
03. Juli 06
HfM Neuer Marstall / Galakutschensaal I / Berlin-Mitte

Veranstalter: Hochschule für Musik “Hanns Eisler”
Studierende der Korrepetitionsklasse Martin Schneuing und Gäste

Lieder des 20. und 21. Jahrhunderts

Hans Werner Henze: Whispers from a heavenly Death (1948)
Susanne Kalauka, Sopran
Gabriel Iranyi: 2 Celan-Lieder (2005)
Juliane Hermann, Sopran / Piroschka Holan, Violoncello
Aribert Reimann: Drei Sonette nach Shakespeare (1964)
Jens Bauditz, Bariton
Rainer Rubbert: 7 Gedichte von Renate Halbach für sich selbst begleitende Sängerin
Sabine Neumann, Mezzosopran
Christin Appelhans, Mezzosopran
Samuel Tramin: Beth-Saida 1 (2006) für Harfe (oder Klavier) und Altstimme
Angelika Weber, Alt
Jens Peter Ostendorf: 3 Lieder aus Minnelieder (1987)
Yvonne Friedli, Sopran / Richard Nordemalm, Tenor

Martin Schneuing, Leitung und Klavier

Besucht habe ich das Konzert wegen den Kompositionen von Gabriel Iranyi und Rainer Rubbert. Besonders die 7 Gedichte von Renate Halbach haben mich interessiert. Bisher kannte ich sie nur in der Interpretation von Claudia Herr. Die Gedichte sind schon schwer zu lesen, weil sie verschiedene Betonungen, Interpretationen und Stimmungen zulassen.
Erwartet hatte ich ein gutes Konzert, weil Studenten und Studentinnen sich bei solchen Gelegenheiten immer besonders viel Mühe geben. Und dann war ich sehr überrascht, eine solche Qualität der Interpretation hatte ich nicht erwartet, zumal ich wusste, dass es für beide Mezzosopranistinnen der erste Versuch mit zeitgenössischer Musik war. Christin Appelhans und Sabine Neumann hatten sich die Lieder geteilt - bei der stimmlichen Anforderung eine gute Lösung. Beide brachten die Gedichte sehr gut. Ihr erstaunlich großer Stimmumfang erleichterte dies, besonders Christin Appelhans hat eine Stimme, die auch in den tiefen, sprechtonartigen Passagen sehr angenehm klingt. Erstaunlich fand ich auch, mit welcher Leichtigkeit sie “stufenlos” in große Höhen kam. Sabine Neumann wählte eine etwas andere Art der Interpretation, die ebenso hörenswert und stimmlich überzeugend war.
Bei der Darbietung dieser Gedichte ist gutes Handwerk (oder besser “Stimmwerk”) Voraussetzung, aber der Vortrag kann nur gelingen, wenn sich die Interpretinnen intensiv und ausführlich mit dem Text auseinandergesetzt haben, dies bringt eine sehr persönliche Note in den Gesang. Und so wurden auch Unterschiede deutlich zwischen der offenen, eher extrovertierten Art von Christin Appelhans und der ruhigeren, leicht introvertierten Art von Sabine Neumann. Das passte wunderbar zusammen und die Gegensätze verstärkten das Hörerlebnis! (ein außerordentliches für einen Fan von Renate Halbach und Rainer Rubbert)
Ich hoffe auf eine Wiederholung!

Das soll aber die Leistung der anderen Teilnehmer nicht schmälern. Alle waren gut und meisterten die Herausforderungen der Neuen Musik ausgezeichnet.

So wie Juliane Hermann, deren weicher, lyrischer Sopran wunderbar zu der getragenen, sehr emotionsgeladenen, aber nicht dramatischen Vertonung der Gedichte Paul Celans durch Gabriel Iranyi passte. Ihr Vortrag machte das Stück als Einheit verständlich. (Verständlichkeit in der Musik / Komposition ist eines der Anliegen von Gabriel Iranyi)

Henzes Lieder von 1948 wurden von Susann Kalauka gesungen, die einen wunderschön “schlanken” Sopran hat mit einer Stimmkraft, die auch große Räume mühelos füllt. Die Musik klingt heute fast konventionell, ist aber durch die 12tönigkeit schwer zu singen. Es war ein Genuss, diese (für meinen Geschmack) etwas altmodischen Lieder so zu hören.

Aribert Reimann ist nicht so mein Fall - deshalb kann ich auch nicht viel dazu sagen - außer dass der Bariton Jens Bauditz eine gute Stimme hat, die in dem größeren Galakutschensaal besser wirkte.

Das Stück von Samuel Tramin lebte hauptsächlich von der Performance der Sängerin - Mimik und Gestik sind so wichtig wie der Gesang. Es war ein schönes und amüsantes Stück - von Angelika Weber gut gebracht.

Ostendorfs Lieder waren für meinen Geschmack zu konventionell liedhaft, so dass die Interpreten ihre eventuellen Qualitäten für zeitgenössische Musik nicht präsentieren konnten. Gute Stimmen und eine gute Interpretation waren bei Yvonne Friedli und Richard Nordemalm aber auf jedenfall vorhanden.

Leider gehen bei solchen Konzerten die begleitenden Instrumentalisten immer etwas unter. Gehen wir davon aus, wenn sie nicht besonders auffallen, dann waren sie hervorragend.
Martin Schneuing (Pianist / Korrepetitor) wagte sich, ein Stück für Harfe auf dem Klavier zu spielen, eine “hand”brecherische Angelegenheit, denn alle Tonfolgen, die harfentypisch nur eine Handbewegung erfordern, müssen hier als Einzeltöne gespielt werden.

Die Cellistin Piroschka Holan spielte sehr schön ergänzend und unterstreichend, passend zu Iranyi und Celan und auch zu Juliane Hermann.

Gut ist es auch, dass es mit Martin Schneuing und Prof. Brenda Mitchell an der Hochschule für Musik “Hanns Eisler” Dozenten gibt, die gegen Widerstände, Bequemlichkeit und Ignoranz auch das neuere zeitgenössische Musikschaffen beachten.

 

 

 

 

 

 

 

26.April 05 BKA Mehringdamm, Unerhörte Musik
Theo Nabicht - Bassklarinetten
In The Basement - Second Level

Theo Nabicht als Bassklarinettist bürgt für Qualität, über seine hervorragende Interpretationskunst muss ich also kein Wort mehr verlieren. Er gab auch kurze und kurzweilige Kommentare zu den einzelnen Stücken, die vieles verständlicher machten.
Zum Anfang eine Uraufführung von Lutz Glandin “Auge - Mund & Ohr” für Bassklarinette und Elektronik, das der Komponist mit dem Interpreten zusammen erarbeitet hatte. Es begann etwas verwaschen und steigerte sich ständig, so das bei diesem gut strukturierten Stück auch die Spannung ständig stieg.
Die folgenden Stücke von Franco Donatoni, Salvatore Sciarrino, Juliane Klein (UA) und Gerard Grisey waren “Schmankerl”, wobei sich Gerard Grisey wieder als großer Meister erwies.
Die Höhepunkte des Abends waren zwei selbst komponierte Solostücke von Theo Nabicht, beides Uraufführungen. ”Kupper” für (eine halbe) Bassklarinette und “Kloppe” für Saxophon. Beide wunderbar erzählend, ohne ins progammatische abzurutschen, und sehr kurzweilig, der Schauspiel-Komponist war sehr postiv zu spüren.

 

 

12.April 05 BKA Mehringdamm, Unerhörte Musik
Susanne Zapf - Violine, Matthias Bauer - Kontrabass, Noam Yogev, Live-Elektronik
Musik und/als Sprache

Ein interessantes und gut zusammengestelltes Programm. Es begann mit Matthias Bauer, der “Misserfolg, ein sehr schwieriges Stück für Kontrabass solo” von Tom Johnson sehr gut interpretierte. Der Text ist absurd-philosophisch (ist ein angestrebter Misserfolg, der erreicht wird, ein Erfolg?) und kam, dank der guten Stimme und Aussprache wunderbar zur Geltung. Musikalisch war das Stück eher einfach gestrickt, was der Gesamtwirkung nicht schadete.
Es folgten zwei “Klangstücke nach Gedichten von Maja Bejerano” von Noam Yogev.
Dann spielte Susanne Zapf “Streif(f)lichter einer Morgenstunde” von Rico Gubler, sehr gut gespielt und gesprochen. Aber für mein Empfinden passen Text und Musik nicht richtig zusammen, sie bilden keine Einheit und keine Gegensätze, manchmal störte mich der Text bei der guten Musik. Trotz dieser Kritik, es ist ein gutes Stück von einem Komponisten, dessen Werke ich schätze.
Es folgte “Buch der Nymphen - Über die Elementargeister” (Texte von Paracelsus) für Violine, Kontrabass und Live-Elektronik, von Matthias Bauer für sich selbst komponiert - rundum perfekt!
Nach der Pause “Nononono” von Max E. Keller für Violine solo. Hier war die Sprache (der Titel) musikalisch perfekt eingebunden und unterstrich und strukturierte. Hervorragend komponiert - und hervorragend interpretiert von dieser Ausnahme- Violinistin!
Dann wieder zwei “Klangstücke nach Gedichten von Maja Bejerano” von Noam Yogev.
Den Schluss bildete das Stück “L’homme machine - Der Maschinenmensch” von Georg Katzer, ein Meisterstück von einem meisterhaften Komponisten, meisterhaft vorgetragen von Matthias Bauer. Ich habe es schon mehrfach gehört und entdecke jedesmal neue Facetten, ich werde es mir mit Vergnügen auch noch einige Mal anhören.

Die große Überraschung des Abends waren (nicht nur) für mich die elektonischen Kompositionen von Noam Yogev, den ich bisher nur als Hornisten und Tonmeister kannte. Ich empfinde es immer etwas schwierig, in einem Saal Musik zu hören, bei der niemand auf der Bühne ist, weil dann meine Gedanken leicht abschweifen und die Konzentration schnell nachlässt - aber diese Klangstücke waren so spannend, alles passte, die Texte in hebräisch waren für mich unverständlich und so entfalteten sie mit den elektronischen Kängen zusammen eine musikalische Intensität, die mich sehr beeindruckt hat. Sprache und Klänge bildeten eine perfekte Einheit und unterstützten sich gegenseitig ohne sich zu dominieren oder gar zu stören. Und obwohl die Stücke ohne große Dynamik- oder sonstige -sprünge auskamen, waren sie von Anfang bis Ende spannend. Sie waren die überragenden Höhepunkte an einem Abend voller Höhepunkte.

 

26.März 05 Kirche St.Peter in Köln
Natalia Pschenitschnikova singt Scelsi: Canti del Capricorno

Wieder mal gehört, wieder sehr gut und wieder ein besonderes Erlebnis. In dieser großen Kirche klang Scelsis Werk völlig anders. Da das Mittelschiff bei der Instandsetzung leider eine Balkendecke erhalten hat statt des romanischen Gewölbes, ist die Akustik nicht an allen Plätzen gleich, nach hinten wurden die tiefen Töne immer mehr gedämpft, aber auch vorne kam die Wärme in den dunklen Tönen der Sängerin nicht voll zur Geltung - aber trotz dieser kleinen Mängel des Raumes wieder absolut hörenswert.
Erstaunt hat mich auch, dass nach der Osterliturgie, also kurz vor Mitternacht noch einige hundert Leute für ein Konzert mit zeitgenössischer Musik dablieben und Eintritt bezahlten - und es wussten alle, worauf sie sich einließen. Es gab viel Beifall für eine gut gelungene Aufführung und eine hervorragende Sängerin.

 

23.März 05 Theater Basel Ballett
Premiere: Les Noches

Zuerst “Les Noches”, eine Choreographie von Richard Wherlock zu der Musik von Igor Strawinsky - sehr gut getanzt, die typische sehr schnelle und dynamische Choreographie betonte die unterschwellige Gewalttätigkeit (und Gewaltverherrlichung) Strawinskys, dessen Musik ich (aus diesem Grund) nicht besonders schätze und das wurde hier für mich nochmals klargestellt. Deshalb war dies kompromisslos getanzte Stück sehenswert. 

Dann von Jiri Kylian “Forgotten Land” zur Sinfonia da Requiem (1940) von Benjamin Britten - selbstverständlich sehr gut getanzt, eng an der Musik choreographiert und mit einem symbolträchtigen Bühnenbild ausgestattet.

Zum Schluss “Verklärte Nacht” von Richard Wherlock zur Musik von Arnold Schönberg, das Gedicht von Richard Dehmel als Grundlage war im Programmheft abgedruckt. Die tänzerische Qualität war selbstverständlich sehr hoch, die choreographische ebenso. Richard Wherlocks Arbeit stellt diese Geschichte wunderbar dar, ohne zu übertreiben oder etwa dem Kitsch nahe zu kommen.
Ein abstrakt-realistisches Bühnenbild, das schön den Wald im Mondlicht abbildete, bot einen attraktiv zu nutzenden Tanzraum.
Die große Überraschung für mich war aber die Tänzerin Ayako Nakano, die ich noch aus ihrer Zeit an der Komischen Oper Berlin schätze, aber zwei Jahre nicht auf der Bühne gesehen hatte. Sie hat sich zu einer überaus ausdruckstarken Tänzerin entwickelt - tänzerisch stimmte alles, dazu kam eine (im Tanz) perfekte Mimik und Körpersprache. Sie tanzte die Zerrissenheit der Hauptfigur mit großer Intensität und sehr glaubhaft.
Für mein Empfinden gehört Ayako Nakano in die absolute Spitzenklasse.

 

 

08.März 05 BKA Mehringdamm, Unerhörte Musik
Trio 71 spielt u.a. Werke von Sebastian Stier und Matthias Jann

 

 

04.Februar 05 KIS (Kultur im Spannwerk)
Die Kulturabteilung der Chinesischen Botschaft lud ein:
“Festabend zum Chinesischen Neujahr 2005”

Dieses mal gestaltete die in Berlin lebende Komponistin Yueyang Wang den Abend. Der begann im Keller des Gebäudes mit einem Stück von Yueyang Wang selbst: “Im Hinterhof” - eine Komposition für Flöte, Kontrabass, Akkordeon, Frauenstimme und Zuspiel-(Anrufbeantworter). Die Musiker waren im Raum verteilt, was ein Nachteil für die Zuhörer war, die nicht im Zentrum einen Platz hatten, (Es waren wesentlich mehr als erwartet) Das Stück war gut zusammengesetzt aus komponierter Musik und Hinterhof-Geräuschen, -Gesprächen und einem Anrufbeantworter. Die “Geschichte” sprach die Komponistin selbst, und sie war so bei der Sache, dass ihr bei einer besonders dramatischen Passage fast die Stimme versagte, was die Emotionale Wirkung des Stückes sehr erhöhte.
Weiter ging es in der großen (ehemaligen) Maschinenhalle. Xie Ya-ou spielte fünf Werke für Klavier, beginnend mit “Music flies ...” für eine Pianistin mit langen Fingernägeln von Yueyang Wang - klein, fein, immer wieder überraschend, mit sparsam, aber perfekt eingesetzten Inside-Tönen (deshalb die langen Fingernägel). Es ist und bleibt eines meiner Lieblingsstücke. Die weiteren Stücke, außer zwei Preludes von Debussy, Werke von zeitgenössischen chinesischen Komponisten waren dem Anlass angemessen, das heißt, nicht zu schroff oder experimentell, sehr chinesisch und sehr zeitgenössisch, selbst die Huldigung an die Phönix (der Vogel Phönix ist in China weiblich und symbolisiert auch das weibliche Prinzip) war weit entfernt vom üblichen Neujahrskonzert-Kitsch. Besonders hat mich beeindruckt (wiedermal) das letzte Stück: “Dance of Minority” von Ya Wen aus dem Jahr 1963. Es verkörpert einen Musikstil, der der “Kulturrevolution” zum Opfer fiel - und zeigte mit seiner damaligen und noch heute gültigen Modernität, was verloren geht, wenn Obrigkeiten bestimmen, was Kultur zu sein hat. 
Zur Qualität der Darbietung möchte ich nichts sagen, denn ich habe die Pianistin schon so oft gelobt, dass ich mich wiederholen müsste. Xie Ya-ou war wie immer perfekt!

Das anschließende Büffet bot auch einiges für deutsche Gaumen und die obligatorischen Reden waren kurz und interessant.

Ein Dank noch an die Musikakademie Rheinsberg und ihre Direktorin Frau Dr. Ulrike Liedtke, die diesen Abend ihrer ehemaligen Stipendiatin sehr gut unterstützt haben.

 

01.Februar 05 BKA Mehringdamm, Unerhörte Musik
 

04.Januar 05 BKA Mehringdamm, Unerhörte Musik
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09.Januar 05 Konzerthaus - Kleiner Saal
Porträtkonzert Georg Katzer zum 70. Geburtstag

ein sehr gut zusammengestelltes Programm, beginnend mit “Octopus” (oct-opus) - Acht Sätze für Klarinette, Violoncello und Akkordeon, ein Stück, dass einen sehr leicht in die Irre führt, wenn man nach bekannten Strukturen sucht, das aber auch für Personen, die nicht seit Jahren Neue Musik hören, zugänglich ist, gefolgt von “Aufgrund meiner Verehrung für Domenico Scarlatti”. Dieses Stück, das mir bereits beim ersten Mal sehr gut gefiel, habe ich zum dritten Mal gehört und diesmal war es am Besten. In der Schuhschachtel-Akkustik des Konzerthauses klang es ruhiger, breiter, langsamer und wesentlich differenzierter als  z.B. im Gemeindesaal in Zepernick. Aber auch »Aufgrund meiner Verehrung für Xie Ya-ou« habe ich diese Komposition besonders genossen, zumal die Pianistin, die Interpretation und damit auch die Komposition, mit den Auffführungen gewachsen sind. (Repertoire hat Vorteile und ich empfinde es auch als notwendig)
Danach kam “Ertaste Räume” für Akkordeon und Klavier, hervorragend interpretiert von Gerhard Scherer und Xie Ya-ou, ein überaschendes und spannendes Stück voll sinnlicher Erfahrung, der Titel war gut nachzuempfinden, aber die Komposition ist weit entfernt von jeder Programm-Musik.
Zum Schluss spielte das Kairos Quartett das Streichquartett Nr. 4 “tempi fragili” - eine Uraufführung - selbstverständlich perfekt interpretiert und ein absoluter Hörgenuss. Sehr komplex und vielfältig, spannend bis zum Schluss - aber auch mit vielen Zitaten aus früheren Zeiten.

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04.Januar 05 BKA Mehringdamm, Unerhörte Musik
Lange Nacht zum 100. Geburtstag von Ciacinto Scelsi

 

 

21. November 04
 

20. November 04 Podewil, Festival für Alte und Neue Musik aus Korea
Sanjo-Lounges
mit The Yeak Academy for Ancient Korean Music, Seoul

Ein

19. November 04 Podewil, Festival für Alte und Neue Musik aus Korea
Neue Musik modern art sextett und Gäste

Ein interessantes Konzert von konventionell bis experimentell, aber Neue Musik ist überall Neue Musik, es gab nichts koreanisches zu entdecken, lediglich bei der letzten Komposition (Han Mi-Young / unauslöschliches auslöschen) hatte der Anfang eine ähnliche Klangfolge und Raumaufteilung wie die traditionellen Kajin Hoesang. Diese Komposition hat mir als ganzes gefallen.
Es begann mit einem Sextett von Lee Yun-Kyung, das ich als sehr konventionell empfand. Darauf folgten drei Kompositionen von Lee Yun-Seck: Day and Night für Klavier, es begann sehr gut, aber alles war vorhersehbar uns somit verlor sich die Spannung beim Hören sehr schnell. Ihr Stück für 9 im Raum verteilte Orchester- peitschen war ein Experiment, dass an einem echten Dirigenten Mangel litt, Einsätze über Kopfhörer mögen zwar modern und auf der Höhe der aktuellen Technik sein, aber sie funktionieren nicht, weil wir als normale Mensdchen auf optische Anweisungen akkurater reagieren als auf phonetische, in dieser Art muss man dieses Experiment nicht wiederholen, weil es nicht gelingen kann! moderne Technik ist gekonntem Handwerk immer unterlegen. Dann folgte ihre Variation für Geige: spannend, überraschend, in sich logisch, so wie ich neue Musik mag, eines der besten Stücke des Abends.
Zu den beiden Stücken von Park Yong-Shil möchte ich nichts sagen, da ich kein Freund ausufernder elektronischer Klänge bin.
Von Koo Bonu wurden zwei nicht sehr überraschende, aber gute Stücke geboten, bei denen das Zuhören Spass machte - die sich mir aber nicht über die Zeiten hinaus einprägen werden.

Dann das Kontrastprogramm Lee Ja-Ram - Modernes P’ansori und Folksongs

zuerst ein Teil eines modernen P’ansori, auch in moderner westlicher Kleidung vorgetragen, diesmal ohne Übersetzung. Aber wenn man das Gerüst der Handlung kannte, wusste man immer, worum es ging, denn Mimik, Gestik und schauspielerisches Können liesen einen nicht im Unklaren. Allerdings war alles etwas plakativer als bei Wang Ki-seok (14.11.) Bemerkenwert war allerdings der wesentlich aktivere Trommelpart.
Nach einer Pause brachte sie Folksong und Balladen zur Gitarre, sehr schön, sehr angenehm zu hören und für mich etwas nostalgisch. Obwohl sie koreanisch sang, waren die meisten Lieder keiner Tradition oder gar Nation zuzuschreiben. Ihre schöne, angenehme Stimme, wie geschaffen für Balladen, machte ihre Darbietung zu einem Hörgenuss. Als Zugabe bot sie noch mal einen P’ansori-Ausschnitt, dies zeigte besonders deutlich die sehr große Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme. Für diese hat es wohl gereicht, aber für meine Ohren hätte das Konzert die doppelte Länge haben können.

 

18.November 04 Komische Oper Generalprobe: Schostakowitsch - Lady Macbeth von Mensk Inszenierung Hans Neuenfels.

Ein sparsames, aber ein gutes, effektvolles und effektives Bühnenbild. Die Musik Schostakowitschs wurde gut dirigiert und Vassily Sinaisky versuchte, ihr wenigstens etwas die Längen (und Breiten) zu nehmen, aber die Stücke kamen für mein Empfinden nie an das Niveau seiner guten Filmmusik heran. Bei seinen Filmmusiken bestimmten andere das Tempo, aber bei seinen Opern konnte er seinem Hang zur übertriebenen Breite frönen. Von Anfang an spürte ich nur Langeweile, alle dramatischen Momente wurden überdehnt und damit unwirksam.
Weder die sehr gute Leistung der Sängerinnen und Sänger, noch der wieder einmal hervorragende Chor, was Stimme, Intonation und Schauspielerisches betrifft, konnten der Langeweile des Stückes entscheidendes entgegensetzen..
Ich bin zwar mit einer gehörigen Portion “Kultur-Masochismus” ausgestattet, aber diesmal habe ich mit mir gekämpft, nicht in der Pause zu gehen.
Dort habe ich, überwiegend von älteren Jahrgängen, also von meinem Alter an aufwärts, auch gegenteiliges gehört: von “sehr gut” bis “hochdramatisch” und vorallem “endlich wieder eine richtige Oper”.
Ich hatte von Neuenfels mehr als diese doch sehr konventionelle Arbeit erwartet.
Loben möchte ich noch das Programmheft, das sehr gut lesbar und in der Kürze umfassend über Schostakowitsch informiert.

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16. November 04 BKA Mehringdamm, Unerhörte Musik
Mixed Media Performence
“ ... in großer Angst geschrieben” nach einem Text von Unica Zürn
Musik: Martin Daske / Choreographie: Alexandra Rauh / Video: Beate Terfloth

Bedrückend - künstlerisch dicht an der Realität - alles stimmte, Musik, Tanz, Video und die vortragende Stimme
Sehr gut die Musik, sie war hervorragend strukturiert, was die Eindringlichkeit steigerte, sie untermalte, kommentierte, charakterisierte, betonte und selbst die entstehenden Geräusche wie das Knacken der Latexkostüme der Tänzerinnen beim Darüberstreichen war in dieses Konzept eingebunden.
Die Choreographie war sehr gut dem kleinen Raum angepasst und unterstrich das Bedrückende der Erkrankung. Auch hier alles perfekt, auch die typische Körperhaltung der Kranken war tänzerisch gut nachempfunden. Die Idee, Schizophrene durch zwei Personen darstellen zu lassen, wurde hier durch zwei Zwillingsschwestern verkörpert, und zwar so perfekt, dass man lange im Unklaren blieb. Körperlich und tänzerisch wurde einiges von den Tänzerinnen verlangt, aber sie waren ihrer Aufgabe hervorragend gewachsen.
Der Text wurde von Cora Frost gesprochen, weitgehend gegen alle Betonungsregeln Dadurch wurden die ständig wechselnden Stimmungen und Ängste sehr gut hörbar.
Die Videoarbeit mit einfachen, großen und fast regelmäßig wechselnden Farbflächen unterstrich das Ganze hervorragend.
Eine eindrückliche Peformance, die ich gerne nochmal sehen und hören würde. Notiz dazu03   

14. November 04 Podewil, Festival für Alte und Neue Musik aus Korea
P'ansori »Simchong-ga«
Wang Ki-seok
(Gesang) und Han Seung-seok (puk) Dauer ~5 Std.

Wie wahrscheinlich viele Europäer hatte ich mehr Angst vor der Länge des Stückes als vor der komplett dargebotenen, weitgehend unbekannten Kunstform. Doch nach 4 Stunden und 50 Minuten musste ich feststellen: spannend vom ersten Moment an und keine Minute Langeweile.
Überrascht hat mich besonders die emotionale Dichte und dass diese Gefühlswelt sich so stark übertrug, trotz der sparsamen Mittel - ein Fächer war das einzige Requisit, der Rest waren Mimik und Gestik, die sehr genau darstellten und (zumindest mich und einige koreanische Zuschauer in meiner Nähe) zum Mitfühlen zwang. (Eine Koreanerin hiner mir sagte: Ich habe noch bei keinem Film so viel mitgeweint und mit gelacht wie bei dieser alten Geschichte).
Die eingeblendeten Texte machten das Ganze verständlich, aber auch bei den nicht übersetzten Improvisationen wusste man immer, worum es ging.

Leider wird einem in Deutschland diese Kunstform sehr, sehr selten geboten, aber man muss ein P’ansori einmal auf der Bühne erlebt haben, keine Aufnahme kann auch nur annähernd adäquat sein.

spätere Einfügung: 3 Std Oper (19.11.04) brachten Langeweile, die für 3 Wochen gereicht hätte, aber diese 5 Std werden im nachträglichen Vergleich noch kurzweiliger.
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13. November 04 Podewil, Festival für Alte und Neue Musik aus Korea
 

12. November 04 Podewil, Festival für Alte und Neue Musik aus Korea
 

 

 

 

14. September 04 BKA Mehringdamm, Unerhörte Musik
Laura Konjetzky und Ulrich Murtfeld

Stille-Lärm - pppp-ffff
Morton Feldman »Piano four hands« (1957-58),
Wolfgang Rihm »Klavierstück Nr. 7« (1980),
Morton Feldman »Piano three hands« (1957-58),
Galina Ustwolskaja »Sonata Nr. 6« (1988),
Moritz Eggert »Aboriginal« für zwei singende & schlagende Pianisten & ein Klavier« (1998),
»Millenium Dance« vierhändig (1998) .

Ein sehr kontrastreiches Programm und gut zusammengestellt.
Die beiden meditativ ruhigen Stücke von Morten Feldman wurden gut gespielt und auch der provokative Luxus war zu spüren - in einer Welt, in der Schnelligkeitsfanatiker und Effizienzpropheten das Sagen haben, müssen so wenige Töne, gespielt von vier oder drei Händen, zum Ärgernis werden.
Dazwischen zwei schnellere, schroffere, rauhere Werke: Wolfgang Rihm gewohnt gut und sehr gut gespielt von Ulrich Murtfeld und dann Galina Ustwolskaja (Sonate Nr. 6 von 1988) - mehr als schroff und rauh, wie mit der Axt geschnitzt, sehr einfühlsam und mitnehmend interpretiert von Laura Konjetzky, auch die damalige Wut der Komponistin über die Verlogenheit von Glasnost und Perestroika kam klar zur Geltung.
Nach der Pause zweimal Moritz Eggert: die Meinungen über »Aboriginal« gingen auseinander, von humorvoll bis gut strukturiert, ich finde es immer noch albern. Aber die Aufführenden machten es sehens- und hörenswert und auch diskussionswürdig. Das zweite Stück »Millenium Dance« war noch konventioneller, aber voller Spielfreude, es wäre eine gute Überleitung zu einer nachfolgenden Dance Party gewesen - die fand aber leider nicht statt.

Fazit: Laura Konjetzky und Ulrich Murtfeld bürgen für hohe spielerische und interpretatorische Qualität und ein Konzert mit ihnen ist immer hörenswert.
 

03. September 04 Konzerthaus Musikclub
Sport

Sehr gut und sehr unterhaltsam.
 

 

14. August 04 Schloss Glienicke, Orangerie
Xie Ya-ou, Piano
Diesmal keine Neue Musik, sondern Romantik, aber bei dieser Pianistin musste es ein hörenswertes Konzert werden - und meine Erwartung wurde nicht enttäuscht. Brahms, Franck, Schubert standen auf dem Programm und was mich besonders interessierte, Isaac Albéniz. Doch es begann schon bei Brahms, bei den Passagen, die etwas volksliedhafte Töne anklingen lassen, vermied sie jegliche Popularisierung und blieb konsequent konzertant. Franck und Schubert spielte sie gekonnt, aber besonders bei Schubert kann ich nicht über längere Zeit konzentriert zuhören.
Zum Schluss fünf Stücke aus “Iberia” von Isaac Albéniz. Ich war gespannt, in wie weit sie den Intentionen Albéniz’ folgte und es kam, wie ich es erhofft hatte. Sie spielte wunderbare Klaviermusik von Weltniveau, der man die spanisch-andalusische Herkunft anhörte, aber es fehlte jeder Anklang an Spanien-Klischees und Spanien-Kitsch. Diese konzertante Konsequenz, die mir das erste Mal bei ihrer lnterpretation von Gershwins “Rhapsody in Blue” auffiel, ist es was mir an ihrer Vortragsweise besonders gefällt und weshalb ich sie auch als Interpretin romantischer Musik schätze, obwohl ich sie durch Neue Musik kennen lernte. Ich freue mich auf die nächsten Konzerte, bei denen sie wieder zeitgenössische Kompositionen spielt.
Aber dieser Nachmittag hat mir sehr gut gefallen, weil in einem nicht sehr perfekten Rahmen ein perfektes Konzert geboten wurde.
 

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4. Mai 04 BKA - Unerhörte Musik:
faktor 3
Lisa Lammel, Violine / Eva Oppl, Viola / Cosima Gerhardt, Violoncello

“Drei Interludien” von Leo Dick machten den Anfang. Er gab eine Erklärung zu seiner Musik, ausführlich, aber ohne zu zerreden. Seine Musik war handwerklich gut, logisch, geschlossen, keine unnötigen Experimente, etwas brav. Sie steigerte sich aber sehr deutlich vom ersten bis zum dritten Satz.
Charlotte Seither gab eine kurze Erklärung zu ihrem Stück “Alleanza d’archi”, mit wenigen Worten sagte sie alles Notwendige zum Verständnis der Musik und übersetzte den Titel (Zusammenschluss der Bögen). Ihre Einleitung war so perfekt wie ihre Musik. Das Stück war sehr ruhig, spannend und gewohnt klangvoll. Gespielt wurde es sehr gut, der große Bogen war immer zu hören und die Feinheiten und Details kamen nich zu kurz.
Georg Katzers “verschattet, flüchtig, meistens gedämpft” war das letzte Werk des Abends und es war auch das experimentellste. Gespielt wurde es sehr schroff, die Brüche und abgebrochenen Strukturen kamen gut zur Geltung und trotzdem blieb alles logisch und in sich geschlossen, das typische in vielen Werken Georg Katzers blieb gewahrt oder wurde hervorgehoben - diese Interpretation eröffnete ein neues Klangerlebnis.

 

27. April 04 BKA - Unerhörte Musik:
Xie Ya-ou, Piano
hatte ein interessantes Programm zusammengestellt. Sie begann mit Domenico Scarlatti (1685-1757), den “Vater” der neueren Klaviermusik, brachte dann Georg Katzers “Verehrung für Domenico Scarlatti” - eine sehr schöne Komposition, die ohne Zitate auskommt, die versucht Neue Musik im Geiste Scarlattis zu sein und dadurch (ungewohnt) durchgehend strukturiert klang.
Es folgten Werke von Berio und Forlivesi.
Nach der Pause spielte Ya-ou Xie zeitgenössische Werke von chinesischen Komponisten. Besonders gut gefallen haben mir die Kompostionen von Yueyang Wang “Music flies” und von Qigang Chen “Instant d’un opéra de Pékin”.
Als Zugabe brachte sie eine Komposition ihres Vaters Ya-wen aus der Zeit vor der Kulturrevolution, die deutlich machte, wie weit man damals in China schon war.

Das Spiel von Ya-ou Xie war einfühlsam, elegant, perfekt in der ganzen Spannweite der gebotenen Musik. Besonders erstaunt mich immer wieder, wie sie selbst in den leisesten Pianissimo-Stellen noch Feinheiten ausarbeiten kann.

 

23. April 04 Podewil - serien/studien/etüden II
Bernhard Lang »Differenz/Wiederholung 4.1 (2000) , Differenz/Wiederholung 6a (2002), Differenz/Wiederholung 9 (2003)« .
Ensemble Mosaik und Natalia Pschenitschnikova (Stimme)
Ein gutes Konzert, bei dem mich besonders die stimmliche und schauspielerische Leistung von Natalia Pschenitschnikova als Puppe/Tulpe begeisterte

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20. April 04 BKA - Unerhörte Musik:
trio e-vent
Kirsten Reese, Flöten / Birgit Schmieder, Oboen / Erich Wagner, Klarinetten

Werke von Rolf Riehm, Elisabeth Lutyens, Anette Schlünz, Georg Friedrich Haas, Isang Yun und Iris ter Schiphorst. Alle Stücke wurden sehr gut gespielt, es war bei diesen Musikern nicht anders zu erwarten. Bei Isang Yuns “Monolog” für Bass-Klarinette solo hielt Erich Wagner sehr schön die langen Töne, so dass das koreanische in dieser Musik gut zur Geltung kam. Den Abschluss bildete das Werk von Iris ter Schiphorst “...und Pommernland ist abgebrannt”. Es begann mit langen und langsamen Tönen, die an koreanische Musik erinnerten, aber zu einer völlig anderen Struktur führten, musikalisch sehr schön, handwerklich gut und fein ausgearbeitet, die sparsam eingesetzte Live-Elektronik unterstützte dies alles und das eingespielte Kinderlied “Maikäfer flieg, Vater ist ...” gab dem Werk eine be- und anrührende Note und hinterließ Nachdenklichkeit. Von diesem Stück hatte ich schon die Uraufführung erlebt, allerdings in einem unruhigeren Rahmen. Es hatte mir damals schon gut gefallen. An diesem Abend war ich aber überrascht, welche Qualität dieses Werk wirklich hat. Wieder einmal war eine Komposition von Iris ter Schiphorst das Highlight des Abends.
 

 

30. März 04 BKA - Unerhörte Musik:
Birgitt Schmieder, Oboe und das Trio Quodlibet

Ein sehr schönes und gut zusammengestelltes Konzert, das überwiegend etwas ältere Stücke brachte. Sehr gut von der Musik und der Interpretation her gefielen mir die beiden Quartette von Benjamin Britten und Isang Yun - aber besonders beeindruckt hat mich “Ungebräuchliches” von Rolf Riehm für Oboe solo, sehr experimentell, aber formal und musikalisch sehr ausgereift, geschlossen und in sich logisch, nichts, wie z.B. das Spiel auf einem halben Instrument, wirkte aufgesetzt oder gar fehl am Platz. Leider versperrte die riesige Partitur, überwiegend in Griffen notiert, die Sicht auf die Oboistin.
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28. März 04 Kammermusiksaal Crossings: China - Europa
Klangforum Wien
und China Found Music Workshop Taipei

Ein Konzert, gemischt aus Musikern verschiedener Herkunft und Tradition ist immer ein Wagnis, weil meist eine Gruppe zu kurz kommt. So war es auch hier - es war ein europäisches Konzert mit europäischer Neuer Musik. Die an sich schon etwas leiseren chinesischen Instrumente hatten es schwer. Dass die europäischen Komponisten europäische Musik schreiben, war zu erwarten, aber wie sehr sich die Stücke der chinesischen Komponisten in diesen Kontext einfügten, war erstaunlich. Bei der zweiten Komposition - Pan Hwang-Long »Schmetterlingstraum. East and West« - war nach meinem Gefühl die Synthese am besten gelungen.
Chaya Czernowin nutzte in »Excavated Dialogues - Fragments« die zusätzlichen Klangfarben, das war interessant, aber für die Komposition nicht unbedingt nötig - aber es war ehrlich. Tung Chao-Ming »X« und Heinz Reber »Musik für Sheng« lieferten sehr schöne Kompositionen zeitgenössischer Musik. Am besten an diesem Abend hat mir Chen Xiaoyong »Speechlessness, clearness and ease« gefallen, formal und klanglich.
Das letzte Stück des Abends zeigte noch mal das Dilemma eines Crossing- Konzertes. Bernhard Lang betonte in seiner Komposition »dw 13 - the lotus pond« den Gegensatzt, indem er die chinesischen Musiker auf der Bühne ließ und die europäischen in den Zuhörerraum stellte, Das Ergebnis machte klar, dass Neue Musik sehr sehr ähnlich klingt, egal auf welchen Instrumenten sie gespielt wird. Es war wie fast alle Stücke dieses Abends interessant, sehr hörenswert und hat mich auch in meinem Musikempfinden zufriedengestellt.
Als Freund Neuer Musik hat mir dieses Konzert sehr gut gefallen - es hat mir viele neue Klangeindrücke gebracht. Für jemanden, der mehr Musik aus chinesischer Tradition und chinesischer Klangwelt erwartet hatte, musste diese Konzert allerdings enttäuschend oder sogar ärgerlich sein - Kommentare von Zuhörern nach dem Konzert machten die Polarisierung deutlich.
Für mich ist es immer wieder erstaunlich, mit welcher Perfektion Künstler aus einem anderen Kulturkreis mit einer “doppelten Identität” kreativ sein können. Dann fällt mir der weit verbreitete überhebliche Eurozentrismus vieler “Normal”-Bürger besonders negativ auf.

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16. März 04 BKA - Unerhörte Musik:
Brigitte Metzenthin [Klavier], als Gast: Jürgen Meyer-Metzenthin [E-Gitarre]
Brigitte Metzenthin hatte wieder ein hervorragendes Programm erarbeitet. Sie begann mit einem Stück von Johannes Maria Staud, dessen Musik ich bisher nur vom Klangforum Wien kannte. Ihre Interpretation war schroffer und straffer, was der Musik sehr gut tat und sie sehr hörenswert machte. Von Charlotte Seither brachte sie “Echoes, Edges” (2001), ein langsames Stück mit vielen einzelnen Tönen und Klängen, das trotzdem in sich geschlossen und logisch bleibt und deshalb spannend zu hören ist. Meine Wertschätzung für diese Komponistin wurde wieder mal bestätigt. Das Highlight des abends war für mich eindeutig das letzte der fünf Stücke: “Eden Cinema 2” (1995) von Iris ter Schiphorst für ein maßvoll präpariertes Piano. Nach Auskunft der Komponistin war es etwas schneller gespielt als notiert, aber es war eine wunderbare Interpretation. Die Klangfülle, die Entwicklung der Strukturen und die schönen Passagen machten das Stück sehr angenehmen zu hören, ohne zu unterfordern. Es ließ mir auch keine Möglichkeit wegzuhören oder mit den Gedanken abzuschweifen, es war spannend vom ersten bis zum letzten Ton. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Konzert mit einer Komposition von Iris ter Schiphorst am 20.4.04 im BKA

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11. März 04 Haus am Kleistpark Vorstellung der Stipendiaten 2003 - 2005 der Karl- Hofer-Gesellschaft (Malerei, Fotografie, Video und Installation).
Meist gute Arbeiten, wobei mir die des berühmtesten Malers (“arbeitet zur Zeit in New York”) am wenigsten gefiel. Wirklich überzeugt haben mich nur die Arbeiten von Claudia Chaseling
Musikalisch untermalt wurde der Abend von zwei Solistinnen der Jazzklasse der UdK - sehr schöner balladenhafter Jazz für Keybord und Stimme sehr schön dargeboten. Leider fehlten die Namen der Solistinnen im Programm (vielleicht liegt das ja an der Arroganz der Bildenden Künstler gegenüber den “Begleitmusikern”)
später fand ich noch heraus, die Sängerin und Komponistin war Juliane Heinemann

 

02. März 04 BKA - Unerhörte Musik: ensemble pianoplus + pinx
Es war die teilweise Wiederholung eines Konzertes, das ich schon in der Pyramide in Hellersdorf gehört hatte. Die Aufführung auf der Bühne statt im Raum und die völlig unterschiedliche Akustik ergab jedoch ein völlig anderes Hörerlebnis.
Das erste Stück: war von John Cage: “Credo in US” von 1942. Mit einem Alter von 62 Jahren ist dieses Werk immer wieder überraschend modern und von einer Zeitlosigkeit, die sich auch nicht abnutzt. Zum guten Eindruck trug auch die perfekte elektronische Unterstützung bei.
Von Max E.Keller wurde “Changements” aufgeführt - wie der Name schon sagt, besteht das Stück aus Wechseln aller Möglichkeiten, bleibt aber in sich logisch und geschlossen und spannend zu hören.
Die musikuntermalte Performance “Ge(H)netischES von pinx litt im darstellerischen etwas unter der Enge der Bühne oder überhaupt an der Bühne (im freien Raum der Pyramide hinterließ sie eine wesentlich besseren Eindruck), dafür kam aber der musikalische Teil mit der typischen BKA-Akustik sehr gut zur Geltung, besonders der wunderbare Tuba-Part.
Scelcis “AITSI” für verstärktes Klavier konnte dank des Zusammenspiels der Pianistin und der bedienten Elektronik partiturgenau gespielt werden, was leider sonst selten geschieht. (hier muß ich als Scelsi-Fan Susanne Stelzenbach und Ralf Hoyer einen besonderen Dank für ihren größeren Aufwand aussprechen)
Die beiden Kompositionen von Susanne Stelzenbach und Ralf Hoyer waren sehr hörenswert, gekonnt, perfekt im Zusammenspiel von Instrumenten und Elektronik, sehr effektvoll ohne Effekthascherei. “STAU” von Susanne Stelzenbach war diesmal ohne Tanzbegleitung und dadurch schneller, straffer und “musikalischer”.
Es lohnte sich auf jeden Fall, diese Stücke von und für pianoplus und pinx nochmals zu hören.
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29. Febr. 04 Zepernick St.Annen-Gemeindehaus - Konzert mit Werken von Debussy, Skrjabin, Beethoven und Schumann
Arno Waschk am Flügel spielte sehr souverän, Debussy war eine gute Einleitung, Skrjabins Sonate Nr. 10 - sowieso nicht so sehr mit Weltverbesserungs-Attitüde behaftet wie die meisten seiner Werke, nahm er durch seine Interpretation den gefährlichen Unterton und machte eine hörenswerte Sonate daraus.
Nach der Pause spielte er die Sonate c-moll op.111 von Beethoven. Er spielte sie in einem durch, aber doch in erkennbaren Sätzen, so dass die komponierten Übergänge sehr gut zur Geltung kamen. Er brachte die Sonate “polarisierend” zu Gehör. Die Stellen, die für Beethovens Zeit neu waren, spielte er auch so modern, dass das Revolutionäre und ihre Bedeutung für die spätere Musik zu hören waren. Ebenso spielte er Beethoven Rückgriffe auf damals schon nicht mehr ganz aktuelle Musikstile (Arietta) etwas altmodisch. Dadurch wurde Beethovens Bedeutung als großer Erneuerer in der Musikgeschichte gut erkennbar.
Vor der Pause gab es noch den Liederkreis op.39 nach Texten von Eichendorff. Zur Begleitung von Arno Waschk sang Dr. Hans B. Straub (im Hauptberuf Arzt). Der Sänger legte sich nicht fest auf Musik- oder Textbetonung, sondern wechselte gekonnt und immer passend zwischen den Möglichkeiten oder fand einen Mittelweg. Die Darbietung war sehr gut, ihr fehlte die Glätte der Perfektion und Routine und war dadurch sehr lebendig. Sie vermittelte einen guten Eindruck von diese Musik, die ja in ihrer Zeit für das bürgerliche Wohnzimmer (Salon) bestimmt war und nicht für die Konzertbühne. Die Lebendigkeit und Lust eines aktiven Musiklebens, wie im Biedermeier üblich, war gut nachzuempfinden und machte diesen Teil des Konzertes auch für einen Liedermuffel wie mich hörenswert.
Das ganze Konzert war ein erfreuliches Musikerlebnis und da es von einem kleinen Kreis wirklich Interessierter besucht wurde, gab es auffallend wenig Huster - auch ein Vorteil der Zepernicker Konzerte.
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24. Febr. 04 BKA - Unerhörte Musik: kein Kommentar
 

23. Febr. 04 Berliner Stadtbibliothek - Berlin-Saal “Musik in der Karikatur”
Dia-Vortrag mit Musik: Es wurden zu wenig Karikaturen gezeigt, dafür aber viel alte Malerei. Der Vortrag versuchte lustig zu sein, war dabei aber zu trocken und zu lehrerhaft - aber nicht ernsthaft genug, um eine echte Lehrveranstaltung zu sein.
Aber ich war ja wegen der Musik gekommen und das Duo Hermann Keller und Antje Messerschmidt war wieder den Weg durch halb Berlin wert. Sie spielten gekonnt die klassischen Kompositionen - aber besonders gefallen haben mir die improvisierten Stücke am Anfang und zum Schluss. Erstaunlich fand ich auch, wie groß das Interesse an den Möglichkeiten und den Mitteln der Improvisationen war bei Besuchern, die nach eigenem Bekunden zum ersten mal mit dieser Musikrichtung in Berührung kamen.
 

19. Febr. 04 Kulturhaus Mitte - Improvisierte Musik.
Die Brüder Conny und Johannes Bauer (Posaunen) bürgten für Qualität, aber auch die anderen Musiker waren gut, wenn auch das Klavier durch Mängel in der Technik etwas unterging
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17.Febr. 04, BKA - Unerhörte Musik: “In The Basement“ Musik für tiefe Flöten
Klaus Schöpp (Kontrabass-, Bass- und Altflöte)

Da ich Klaus Schöpp als excellenten Flötisten kenne, war dieses Konzert ein Muss, zumal Kompositionen für tiefe Flöten von Komponisten, die ich schätze, angekündigt waren: Stücke von Gabriel Iranyi, Sidney Corbett (UA), Toshio Hosokawa, Conrado del Rosario (UA), Makiko Nishikaze, Helmut Oehring (UA) und eine UA - “???Overblow“ - von ihm selbst. Dabei bewies er wieder einmal, dass er zu den wenigen Musikern gehört, bei denen, wenn sie für ihr eigenes Instrument komponieren, die Musik wichtiger ist als die eigene Virtuosität, obwohl diese Voraussetzung ist.
Es begann mit Gabriel Iranyi “Laokoon/Torsi” (2002), gewohnt gut und hörenswert, wie alles, was ich bisher von diesem Komponisten kenne.
Danach spielte Klaus Schöpp seine eigene Komposition (siehe oben)
Sidney Corbett hat zum ersten mal etwas für Kontrabassflöte solo komponiert - um das Instrument besser kennen zu lernen. Er hat dies in der Komposition deutlich und sehr gut nachvollziehbar gemacht, er hat sich zum Anfang an die Kontrabassflöte herangetastet um dann ihre Möglichkeiten voll auszuschöpfen, einschließlich schöner Töne, und dann unter Ausnutzung der instrumentalen Typik das Stück mit reduzierten Strukturen und offen ausklingen zu lassen - es war sehr gut, wie er die Möglichkeiten des Instruments deutlich machte, ohne auch nur andeutungsweise ins Etüdenhafte abzugleiten. (Es mag sein, dass ich voreingenommen bin, da ich Sidney Corbett persönlich als rundum netten Menschen sehr schätze, aber es war für mich das Stück des Abends)
Bei der nachfolgenden Komposition von Toshio Hosokawa - “Atemlied” - ist über die Qualität nichts zu sagen: hier wurde ein Meisterstück excellent dargeboten.
Nach der Pause ging es weiter mit Conrado del Rosarios “August” für Altflöte solo, es hat mir gut gefallen. Das Stück von Makiko Nishikaze hinterlies bei mir einen zwiespältigen.Eindruck - es hat mich nicht begeistert, aber ich könnte es noch ein dutzendmal hören, ohne auch nur einen Moment Langeweile zu empfinden.
Die letzte Komposition, “Philipp” von Helmut Oehring (eigentlich für Bassflöte) in der Version für Kontrabassflöte ging bis an die Grenzen des Instruments, machte diese aber auch deutlich.

Fazit: Es wäre schlimm gewesen, dieses Konzert zu versäumen.

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16.Febr. 04, BKA - CD-Vorstellung: “Musik für Saxophon aus Berlin“ Vol. 2 (1934-38) Duo Frank Lunte (Altsaxophon) - Tatjana Blome (Klavier)

Ein Genuss für Ohren und Augen - Tatjana Blome betrat die Bühne nicht im üblichen schwarz, sondern in einem hellen Hosenanzug - groß, schlank, perfekte Eleganz, sehenswert auch beim Klavierspiel. Ihre Sicherheit auf der Bühne war auffallend - vor dem Spiel wurde nicht nochmal der Hocker nachreguliert und neu zurecht gerückt, es stimmte ja von der Probe her, und so war es erstaunlich (oder eigentlich nicht!) was sie aus dem vielfach malträtierten Flügel des BKA herausholte.
Rein optisch hatte ihr Partner keine Chance neben ihr, aber er überzeugte durch gute Erklärungen zu den einzelnen Stücken, die ja durch die Bedrohung in dieser Zeit geprägt sind (das Saxophon galt als entartetes Instrument). Seine Art, fundiertes Wissen verständlich und ohne Anbiederung oder etwa gespielte Lockerheit ans Puplikum zu bringen, hat das Musikverständnis und damit den Genuss erheblich gesteigert.
Musikalisch stimmte alles perfekt. Das erste Stück, eine Sonate von Wolfgang Jacobi (aus dem Jahr 1930) ist für meinen Geschmack eine der schönsten Kompositionen für Saxophon. Die folgenden Stücke waren spröder, zeigten andere Gefühle und waren dank der hervorragen Erklärungen gut nachzuempfinden.

Selten hat mich ein Konzert so rundum zufriedengestellt und begeistert wie dieses.

Die beiden CDs des Duos Blome - Lunte (www.blome-lunte.de) möchte ich empfehlen. Sie sind nicht nur für Saxophon-Fans interessant sondern durch das sehr informative Booklet für alle, die Musik des letzten Jahrhunderts mögen.

Die CDs sind erschienen bei Edition Abseits / EDA Records, Kassel (www.eda-records.de)
Musik für Saxophon aus Berlin Vol. 1 (1930-32) EDA 21
Musik für Saxophon aus Berlin Vol. 2 (1934-38) EDA 22
Vol. 3 (1982-2004) ist in Vorbereitung


 

15. Febr. 04, Kammermusiksaal: Zeitenwandel - Zeitensprung
Uraufführungen von Auftragswerken der ROC Berlin

Ich habe dieses Konzert besucht, um die Komposition “Verkleidet“ von Soo-Jung Shin zu hören und ich wurde nicht enttäuscht. Ihre Art zu komponieren, sich etwas organisch entwickeln zu lassen und für den Hörer offen zu lassen, hat mich mal wieder überzeugt. Ihre Musik ist mit dem Ende des Stücks nicht zu Ende - umso störender empfand ich ein sofort anschließendes Arrangment von Marcus Reissenberger, das mich nicht nur an dieser Stelle störte, sondern leider zwischen allen Kompositionen. Die zweite Komposition - von Erik Janson fand ich hörenswert und das letzte Stück, von Ines Lütge hat mir sehr gut gefallen. Johannes Kalitzke und das Solisten-Orchester des ROC waren in Hochform, trotzdem hatte ich das Gefühl, wäre ich zwischendurch mal in die Kantine gegangen, hätte ich nichts versäumt.

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14. Febr. 04 Konzerthaus - in allen Räumen - Musikfest 10 Jahre ROC
Es wurde viel geboten und so war für jeden etwas dabei. Die Darbietungen waren gut, so wie es bei Profis sein soll. Lediglich die Crossover-Versuche bei einigen Konzerten konnten mich nicht befriedigen, notentreuer Jazz hört sich ziemlich lahm an. Aber die Gegenüberstellung von Liebesliedern von Gesualdo und Schütz mit solchen von neueren Songschreibern war überraschend (und) gut.
Auch die improvisierte Musik von Hermann Keller [Klavier], Wilfried Staufenbiel [Cello und Gesang] und Uli Weber [Trompete] im Kleinen Saal war hörenswert und durch die raumgreifende Gestik Hermann Kellers auch sehenswert. Diese Musik passte zwar nicht so ganz in den Rahmen des ROC, war aber eine Bereicherung und ersparte mir die werweißwievielte Nachahmung der Comedian Harmonists im Großen Saal.

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10.Febr. 04, BKA - Unerhörte Musik: aton saxophonquartett (Martin Losert, Christian Vogel, Ruth Velten und Alexander Darshkevich) spielte Georg Katzer, Fabien Lévy, Richard Dünser, Steffen Schleiermacher, Martin Losert (UA) und Thierry Alla
Obwohl schon 2001 gegründet spielen die vier erst seit einigen Monaten intensiver zusammen. Dennoch war das Zusammenspiel und die Übereinstimmung im Musizieren perfekt. Die gespielten Stücke waren nicht älter als 15 Jahre und alle hörenswert. Es begann mit Georg Katzers “Wie ein Hauch ...” (1994), eine Komposition, die zwischen klarer Struktur und strukturlos (oder eher strukturiertem Chaos?) mehrfach wechselt und den Zuhörer überrascht oder gar ins Leere laufen lässt, wenn er nicht seine alten Hörgewohnheiten völlig abschaltet. Dieses Stück war für meinen Geschmack das Beste des Abends.
Lévys und Dünsers Kompositionen haben mir auch sehr gut gefallen. Nach der Pause ließ der gute Eindruck etwas nach. Bei Kompositionen von Steffen Schleiermacher habe ich öfter das Gefühl des Oberlehrerhaften. ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, aber ich empfinde einen belehrenden Unterton, so auch diesmal (Herculaneum 1996). Die UA des Abends war ein Stück von Martin Losert - “Containermusik“. Es war sehr virtuos und zeugte von der perfekten Beherrschung des Saxophons und seiner Möglichkeiten, es blieb leider etwas im etüdenhaften stecken, wie so oft, wenn Musiker für ihr eigenes Instrument komponieren, trotzdem gut und angenehm zu hören . Die letzte Komposition - Thierry Alla “Offshore“ (1990) - ist ein bewährtes, virtuoses, handwerklich gutes Stück, das vom aton quartett perfekt gespielt wurde.
Das Fazit des Abends: wieder ein gutes Konzert, das ein gutes Gefühl hinterließ.

 

3. Feb. 04 BKA - Unerhörte Musik: Erik Drescher (Flöte), Laura Konietzky (Klavier)
Dror Feilers “Like tears in rain” für Flöte und Tonband hat mir an diesem Abend am besten gefallen, es stellt mit seinen hereinbrechenden Tonbandeinspielungen ziemlich hohe Ansprüche an den Flötisten. Erik Drescher erwies sich mal wieder als sehr guter und disziplinierter Musiker
Ligetis Etüden für Klavier, 3 Spätwerke, wurden ganz und gar nicht etüdenhaft vorgetragen.
Den Abschluss bildeten zwei Kompositionen von Klaus Lang für Flöte, Klavier und Elektronik. Bei seinem Stück “Die größte Tragik im Leben des Königs von Sipilos bestand darin, dass nicht .......” war nicht nur der Titel zu lang. Das nach etwa 2/3 der Zeit bei mir der Wunsch auf ein schnelles Ende aufkam, lag nicht an den Musikern.
Trotzdem: Ein gutes gutes Konzert von zwei guten Musikern.

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Am 16. Jan. 04 habe ich in der UdK die Veranstaltung “Heimspiele” - 4 Kurzopern von Christof Herzog, besucht. Der eigentliche Grund meiner Anwesenheit war Katia Guedes, die leider selten zu hören ist - und wegen ihr hat es sich auch gelohnt. Die Stücke waren von verschiedenen Regisseuren gestaltet und sehr unterschiedlich, aber außer “Luisas Traum” von Matthias Rebstock hat mich keins 100%tig überzeugt. Die hervorragende Bühnenpräsenz von Katia Guedes war dabei natürlich ausschlaggebend. Aber auch Ulrike Bindert war überzeugend.

Das Stück “Unser Kaiser” ist lustig, voller Witz und Ironie und eine zeitlose Anspielung auf Politik von Experten - leider war in dieser Inszenierung nichts davon zu merken - schade, denn es waren gute Stimmen dabei.

Bei “Hundeherz” nach einer Erzählung von Michail Bulgakow hatte ich das Gefühl, Sprechtheater wäre besser gewesen - diese Meinung haben einige Besucher mit mir geteilt. Trotzdem, es war sehenswert und sehenswert war vor allem die Sopranistin Ruth Rosenfeld Levitan, die soviel schauspielerisches Können bewies, dass sie neben einem echten Schauspieler (Merten Schroedter) ohne weiteres bestehen konnte. Stimmlich (Gesang) war sie unterfordert, aber in einigen Szenen kam ihre sehr schöne Sprechstimme, besonders ihr rundes gutturales englisch, gut zur Geltung.
(Als “echte” Sopranistin war sie am 18. Februar 2004 in der Philharmonie zu hören. Das Trio Berlin spielte: Glinka, Brahms, Mozart, Lachner, Reinecke. Diesmal kam das schauspielerische zu kurz, aber sie war stimmlich überzeugend.)

Zur vierten Aufführung möchte ich mich nicht äußern.

 

Das Konzert im BKA am 13. Jan.04 war vom Ensemble Experimente der Musikschule Neukölln. Hier ist mir die 15-jährige Paula Engel besonders aufgefallen. Sie hat sich an “Melodia” für Akkordeon von Toshio Hosokawa gewagt und diese Aufgabe sehr sehr gut gemeistert und den Bezug zur Atmung hervorragend herausgearbeitet, so dass mir an der richtigen Stelle die Luft weg blieb.

Ab dem Wintersemester 2004 studierte diese Ausnahmeinterpretin in Weimar bei Claudia Buder und ab dem Wintwersemester 2007 am Königlich Dänischen Konservatorium in Kopenhagen bei Geir Draugsvoll .
 

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